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Kategorie: Portfolio
von: Julia Einsiedel

Blockchain: Großes Potenzial nicht nur im Finanzsektor

Immer häufiger hört man in der Finanzdienstleistungsbranche von „Blockchains“. Doch was ist die Blockchain-Technologie eigentlich und welche Chancen birgt sie?

Unter „Blockchains“ versteht man fälschungssichere, dezentrale Datenstrukturen, durch die sich Transaktionen transparent und unveränderlich abbilden lassen. Dank einer lückenlosen Datenaufzeichnung können zum Beispiel Eigentumsverhältnisse nachvollziehbar geregelt und Werte direkt übermittelt werden.

Ein bekannter Anwendungsfall der Blockchain-Technologie sind Bitcoins. Dabei handelt es sich um eine dezentrale, digitale Währung, die mit Hilfe der Blockchain umgesetzt wurde.

Vorteile von Blockchain

Blockchains verfügen über eine Datenstruktur und Funktionen, durch die ein auf viele Teilnehmer verteilter Zustand gemeinsam verändert werden kann. Dabei wird Effizienz, Einheitlichkeit und Fälschungssicherheit gewährleistet, indem die einzelnen Transaktionen, gestützt durch kryptograpfische Verfahren, von allen dezentralen Teilnehmern (Computern) bestätigt werden.

Das Blockchain-Netzwerk bildet sich aus einem Netz von Knoten. Ein Knoten steht für einen Rechner, der mit dem Blockchain-Netzwerk verbunden ist und mithilfe einer speziellen Software Transaktionen des Blockchain-Netzwerks prüfen, ablegen und übermitteln kann. Jeder Knoten erhält automatisch eine Kopie der Blockchain, welche fortlaufend aktualisiert wird. Durch eine Vielzahl vernetzter Knotenpunkte werden die Datenstrukturen verteilt und so eine hohe Verfügbarkeit sowie Ausfallsicherheit gewährleistet.

Die Blockchain-Technologie ist dezentral. Daraus ergibt sich ein besonderer Vorteil der Blockchain-Technologie: der Sicherheits-Aspekt. Durch die redundante und sichere Speicherung von Daten in der Blockchain werden Risiken, die sich aus der zentralen Datenhaltung ergeben, umgangen. Die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit einer zentralen Stelle entfällt. Denn die Kontrolle des Eigentums (z.B. Geld) liegt nicht mehr länger in den Händen einer einzigen Organisation (z.B. Bank), welche unter Umständen nicht rechtschaffen ist oder Opfer eines Cyberangriffes werden könnte. Die Sicherheitsverfahren der Blockchain-Technologie nutzen darüber hinaus aktuelle asymmetrische Verschlüsselungstechnologien, die auf der Vergabe von öffentlichen und privaten „Schlüsseln“ basieren. Ein öffentlicher Schlüssel (Zahlenreihe) symbolisiert dabei eine Nutzeradresse, der Transaktionen automatisch zugeordnet werden. Der private Schlüssel dient als Passwort, um Zugang zu den Werteinheiten zu erhalten.

Da die Daten in einem Netzwerk ganzheitlich eingebettet und damit öffentlich sind und eine rückwirkende Veränderung von Informationen aller Knoten mit einem vertretbaren Aufwand nicht möglich ist, zeichnet sich die Blockchain-Technologie weiter durch Transparenz und eine gewisse Unveränderbarkeit aus.

Durch sogenannte „Smart Contracts“ kann eine vertragliche Logik von mehreren Vertragsparteien freigegeben und automatisiert durch Computer-Algorithmen ausgeführt werden. Zu bestimmten Zeitpunkten wird so automatisch überprüft, ob alle Bedingungen eines Vertrags erfüllt worden sind, um eine Transaktion auszuführen. Smart Contracts ermöglichen es also Verträge automatisiert durchzusetzen, was die Sicherheit erhöht und die Kosten reduziert. Smart Contracts stellen außerdem eine Kontrollregel innerhalb des technischen Protokolls dar. Nur der programmierte Code eines Smart Contracts entfaltet vertragliche Wirkung. Beispielsweise würde bei einem über Smart Contract abgeschlossenen Stromvertrag erst dann Strom fließen, wenn die monatliche Rate dafür entrichtet wurde.

Ausblick

Natürlich stellt die Blockchain-Technologie viele Firmen vor große Herausforderungen. Fragen, wie: ist es nur ein Hype oder doch die Zukunft? auf welche Branchen ist das Blockchain-Verfahren anwendbar? wie kann die Integration in die bestehende Infrastruktur erfolgen und welches Knowhow wird benötigt? beschäftigen derzeit viele Manager und IT-Verantwortliche.

Mögliche Risiken des Blockchain-Ansatzes sollten frühzeitig betrachtet werden, um das Potenzial der Technologie entfalten zu können. Insbesondere Datenschutz und Rechenkapazität werden mehr in den Fokus rücken, da sind sich die Experten sicher. Auch die Verknüpfung bestehender und neuer Technologien wird zum Thema werden. Eine besondere Rolle könnte in diesem Zusammenhang dem Amazon Elastic Cloud (Amazon EC2) zukommen. Dieser stellt sichere und skalierbare Rechenkapazitäten in der Cloud bereit. Auch „Hyperledger“ entwickelt sich mehr und mehr als ein fester Bestandteil des „Blockchain Technology Stacks“. Neben technologischen Aspekten, ergibt sich ein weiterer Risikofaktor aber womöglich auch aus dem Fehlen einer zentralen Überprüfungsinstanz, die im Notfall regulierend eingreifen könnte.

Betrachtet man demgegenüber die Chancen, die sich aus der Blockchain-Technologie ergeben, wird schnell klar, dass sie ihren Weg, trotz bestehender Risiken und Herausforderungen, finden wird. Die Evolution von Blockchain als reines „Inhaltsverzeichnis“ (Ledger) für Krypto-Währungen, über die Einbettung von Services bis hin zu dem Einsatz von „Smart Contracts“ verdeutlicht dies. Inzwischen existieren Anwendungsmöglichkeiten für Blockchain, die weit über die Funktion eines Finanztransaktionsbuches hinausgehen.

Neben dem naheliegenden Einsatz von Blockchain in der Finanzbranche, gibt es auch zahlreiche weitere Zukunftsszenarien, wie ein „Shared Blockchain Ecosystem“, das einem autonomen und dezentralen B2B-Marktplatz gleichkommt. In diesem würden Organisationen verschiedener Branchen miteinander im direkten Austausch von Werteinheiten stehen. Durch die besondere Art der Verifikation von Transaktionen würden einige Aspekte traditionellen Handels, wie z.B. eine Kette vertrauenswürdiger Intermediäre, nicht mehr benötigt, was zu enormen Effizienzsteigerung führen könnte.

Es lässt sich zweifelsohne konstatieren: Blockchain hat viel Potenzial und jede Menge Ausgestaltungsmöglichkeiten. Sicherheit, Transparenz und Effizienzsteigerung sind nur einige der Vorteile, die mit dem Einsatz der Technologie erzielt werden können. Dennoch müssen die aktuell als vorhanden geltenden Risiken in Betracht gezogen werden, um eine erfolgreiche Etablierung von Blockchain in verschiedenen Industrien zu ermöglichen und den Werteverkehr, wie wir ihn bislang kannten, zu revolutionieren.

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